
Edith Leerkes sah ich zum ersten Mal auf dem Cover
einer LP vom Amsterdam Gitaar Trio. Weltberühmt geworden durch
Gitarrenbearbeitungen großer Meister. Eine dunkle junge Frau sah mir vom Cover
ernst in die Augen, als wollte sie sagen: “Wenn du mal auf der Gitarre
begleitet werden willst, würdest du dann mich
um Rat fragen?”
Ein paar Jahre später wollte ich ein
Lied aufnehmen, das von einem Baby handelte. Ich dachte: Gitarre wäre nicht
schlecht. Ich erinnerte mich
an den strengen Blick von Edith Leerkes. Rief sie an und fragte, ob sie eine
Gitarristen wüsste, die schwanger ist. “Ich bin im siebten Monat”, sagte sie.
In Hamburg
spielte sie mit ihrer Gitarre wie eine Zither auf dem Bauch “Nina Bobo”.
Herman van
Veen:
"Wovon
träumt ein Baby? Von jung, von arm oder kalt? Von warm, reich oder alt? Gehen
deine Träume übers Wasser?
Du, die noch
nichts weiß von Rat und Tat, von Dorne und Krone, von Stacheldraht.
Letzte Woche gab Edith eine
Meisterklasse auf dem Konservatorium in Enschede. Am Schluss fragte eine junge
Gitarristin: “Ist das nicht komisch? Früher spielten
Sie in eine m weltberühmten Trio und jetzt sind Sie Begleiterin von Herman van
Veen?” “Das Schöne dabei ist”, sagte Edith, “ich bin zwar seine Begleiterin,
aber er ist auch mein Sänger.”